100 Jahre Wissener Walzwerk mit NachtSchicht
„Industriekultur Westerwald & Sieg“ und Regionaler Markt „Eisenkunst & Gaumengunst“ und Colosseum live….
![]() |
Am 18. und 19. Juni 2011 wird mit der NachtSchicht und dem regionalen Markt "Eisenkunst und Gaumengunst" das Jubiläum mit der Wissener eigenART gefeiertWeitere Informationen finden Sie auf folgenden Seiten:
|
Hintergrundinformationen zum Jubiläum 100 Jahre Walzwerk Wissen
Zur Geschichte des Wissener Walzwerks (Quellentext von Dr. Karl Grosse, technisches Vorstandsmitglied der Vereinigten Stahlwerke und Wissener Eisenhütten AG, Köln-Deutz, von 1926-33 Vorstandsmitglied der Vereinigten Stahlwerke AG, von 1933-1942 Vorstandes der Hüttenwerke Siegerland , zu der auch das Wissener Walzwerk gehörte)
Zusammenfasst, bearbeitet und kommentiert von Berno Neuhoff, Förderverein kulturWERKwissen „blechen“ Sie mit!
"Im November 1910 wurde unser Vorschlag, ein Weißblechwerk zu errichten, gutgeheißen und die erforderlichen Geldmittel zur Verfügung gestellt". Auf dem Gelände im Frankenthal in der Gemarkung Schönstein befand sich eine Spielfläche, die als Sport- bzw. Bolzplatz genutzt wurde. Die Grundstücke wurden gekauft und die Bevölkerung war damals angeblich dagegen. So heißt es in einer Broschüre aus Anlass 50 Jahre Walzwerk.
Dr. Karl Grosse reiste 1910 nach Süd-Wales und führte u.a. Gespräche mit Vertretern der DEMAG in London, um praktische Eindrücke zu sammeln. Die Anlagen in England empfand er als ungepflegt und er glaubte mit einer modernen Einrichtung den Engländern überlegen sein zu können. 1910 legte er die Wissener Pläne dem Aufsichtsrat der Vereinigten Stahlwerke van der Zypen und Wissener Eisenhütte AG, den späteren Hüttenwerke Siegerland, vor. Dieser genehmigte die Pläne für Wissen und das Aktienkapital wurde gleichzeitig um 3 Mio. Mark erhöht. Mit den neuen Mitteln wurde das Wissener Weißblechwerk rasch gebaut.

Warum baute man in Wissen das zeitweise größte Weißblechwerk Europas?
Es gab verschiedene Gründe: Köln-Deutz, Sitz der AG, kam wegen Platzmangel als Standort nicht in Betracht. Wissen bot zudem mit dem Hochofenwerk "Alfredhütte", wo sich heute das kulturWERKwissen, die ehemalige Ausbildungs- und Reparaturwerkstatt am „Hochofenwerk Alfredhütte“, Baujahr 1937, befindet, eine "billige Kraftquelle". Heute würde man von einem Nahwärmenetz sprechen. Energie stand also ortsnah und in großen Mengen zur Verfügung, denn die Herstellung von Weißblech bzw. die Verzinnung schluckte viel Energie. Außerdem waren damals wie heute die Löhne in der Region günstig. So heißt es "die Lohnverhältnisse waren nicht überspannt" und letztlich war in Wissen, sozusagen mit seinen sieben Hügeln mit grünen Wiesen, die Gelegenheit geben, nicht allzu weit vom Walzwerk „eine Wohngelegenheit bieten zu können". Man baute - wie man es von großen Vorbildern wie Krupp in Essen kennt (Essener Margaretenhöhe), eine eigene, neue Arbeitersiedlung mit schmucken Häusern und Gärten.
Nach den Unterlagen bestand die größte Herausforderung darin, „das Werk so schnell wie möglich zu bauen“. Dr. Karl Grosse stand in Wissen keinerlei Erfahrung zur Seite, so dass man auf Arbeitskräfte vom Ausland angewiesen war. Die Fertiggerüste aus Spezialflammofenguss kamen übrigens aus dem Siegerland von der Firma Aachenbach in Buschütten (Kreuztal).
Wissen gehörte viele Jahrzehnte wirtschaftsgeographisch zum Siegerland. Das kulturWERK steht geographisch im Westerwald, auf der Wasserscheide zum Oberbergischen (die Sieg bildet die Grenze), weshalb am Samstag, 18. Juni die 2. NachtSchicht – Industriekultur Westerwald & Sieg“ erstmals im kulturWERK und draußen auf der Walzwerkstraße gefeiert wird. Die NachtSchicht, ein in der Region Westerwald und Sieg nach dem Vorbild der Extraschicht im Ruhrgebiet einzigartiges Projekt der Industriekultur, das Tradition und Moderne verbindet. Zahlreiche Sponsoren aus der heimischen Wirtschaft, der Kreis Altenkirchen und vor allem der Kultursommer Rheinland-Pfalz ermöglichen das in dieser Form einzigartige Projekt in Rheinland-Pfalz.
Die Arbeitersiedlung, bis heute genannt Hüttenkolonie, wurde projektiert von Architekten aus Dortmund und galt lange Zeit als eine der schönsten Siedlungen im Siegtal. Leider hatte man in Wissen es rechtzeitig verpasst, das Gesamtensemble rechtzeitig unter Denkmalschutz zu stellen. Die Häuser sind nicht alle gleich gebaut, sondern wechselten ab; Ein-Zwei und Vier-Familienhäusern. Jeder Bewohner bekam einen kleinen Garten zugeteilt.
Die Kopie der Genehmigungsurkunde datiert auf den 23. Mai 1912 und besagt, dass das 1911 der Bau einer Verzinnerei (für Weißblech) beantragt wurde und durch „Beschluss des Bezírksausschusses der Bezirksregierung Koblenz am 7.12.1911 ausgeräumt“, also genehmigt, war. Daher feiern die fast 300 Mitglieder des Fördervereins kulturWERKwissen – „blechen“ Sie mit! zusammen mit den Aktiven der Wissener eigenART/Arbeitskreis Kultur, die die Idee des kulturWERKs 2002 salonfähig gemacht haben und die Idee der NachtSchicht sowie den Markt und offener Bühne „Eisenkunst & Gaumengunst“ hervorgebracht haben, in diesem Jahr 100 Jahre Wissener Walzwerk. Dafür wird eigens die Walzwerkstraße an zwei Tagen gesperrt.
Das Walzwerk – Segen und Umweltbelastung zugleich
Die Durchführung und Einhaltung der Genehmigung 20 Auflagen mit mehreren Unterpunkten war damals ein Problem. Die Sieg war zu dieser Zeit von Wissen bis Dattenfeld rot gefärbt. Die Menschen sagten: Die Säure vom Walzwerk. Den Siegfischern war die Lebensgrundlage völlig entzogen. 1930 wurden erste moderne Kläranlagen errichtet, heute steht noch eine moderne von Krupp-Thyssen am Fuße des Wissener Sandberg auf der Seite im Gewerbegebiet Frankenthal. Der Sandberg ist das letzte sichtbare Relikt der Hüttenzeit und des Walzwerks. Die Natur hat es sich zurückerobert.
Im März 1945 wurde das Werk durch Fliegerangriffe schwer beschädigt.
Weitere Infos zur wechselvollen Geschichte, den Wechseln der Eigentümer, dem Niedergang bis zur letzen Schicht am 30.6.1995 finden sich auf dieser Website.
recherchiert: Berno Neuhoff, Vorsitzender Förderverein kulturWERKwissen "blechen" -Sie mit! aus: Die Geschichte des Weißblechwerkes Wissen/Sieg 1910-1945 von Karl Grosse und div. Unterlagen des VG-Archivs in Wissen



