Schnapper und Doppler
Walzwerkarbeiter aus Stahl entstehen und sollen erinnern
Sie sind etwa drei Meter groß und wiegen fast 400 Kilogramm: die Skulpturen aus Stahl "Schnapper" und "Doppler" des Bildhauers Arnold Morkramer. Sie sollen an das Walzwerk in Wissen erinnern, das in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre. Ihren Platz erhalten die Skulpturen im nächsten Jahr am Verkehrskreisel in Wissens Altstadt.
Der Bildhauer Arnold Morkramer aus Brucherstseifen (82) und der Schmied sowie Schlosser Friedhelm Biernath (72) haben beide noch selbst in jungen Jahren auf Zechen bzw. Hütten an Rhein und Ruhr gearbeitet. Jetzt arbeiten sie seit Mai diesen Jahres fast tagtäglich in einem ehemaligen Weinkeller des Altenheims von Morkramers Sohn in Kamp-Bornhofen (Rhein).
| Mit dabei sind ein Plasma-Schneidegerät, das die "Platten schneidet wie Butter" (O-Ton Morkramer), sowie ein Schweißgerät aus Wissen. Der Auftrag lautet: zwei überlebensgroße Kerle, wie Morkramer sie liebevoll nennt, den "Schnapper" und den "Doppler", zu fertigen. Beide Arbeitertypen haben viele Jahre die Arbeit im Wissener Walzwerk geprägt. Eine Figur wird die Stadt Wissen bezahlen, für die zweite hat der Förderverein "kulturWERKwissen - blechen Sie mit!" die Patenschaft übernommen und will bis zur Aufstellung im nächsten Jahr die erforderlichen Spenden auftreiben. |
|
Eine 16-köpfige Delegation aus Vorstand Förderverein kulturWERK, der Wissener eigenART, den Vorständen der Westerwaldbank und der Kreissparkasse Altenkirchen, Paul-Josef Schmitt und Dr. Andreas Reingen, Agathe Becher von den Landfrauen Wissen-Mittelhof und Stadt Wissen, machte sich jetzt auf den Weg an den Rhein, um sich über die "Stahlriesen" vor Ort zu informieren. Sie alle waren begeistert und erstaunt zugleich. Ihr Fazit: Hohe Kunst eines Profis, der handwerkliches Können mit bildhauerischer Anspruch verbindet und dazu noch verständlich bleibt.
Harte Arbeit im Weinkeller
Den Kopf hat Morkramer aus Sperrholz originalgetreu vorgearbeitet, bevor er geschnitten und geschweißt wurde. Für das Schneiden hat sich der 82-jährige Morkramer extra ein neues Plasma-Schneidegerät gekauft. Für ihn ist es die erste Skulptur aus Stahl. Normalerweise arbeitet er mit Bronze oder Stein und schafft Kirchenaltäre und zeitgenössische Kunst. Das er für sie Neues wagt, rechnen ihm die Wissener besonders hoch an. Morkramer: "Mir war es wichtig, etwas Gegenständliches und Erkennbares für den Betrachter zu schaffen. Das war viele Jahr verpönt, ebenso wie die Darstellung der Arbeit. In der Kunst des Nationalsozialismus wurde dies oft missbraucht", so Morkramer. "Die Arbeit war hart und nicht schön, aber sie war Grundlage für viele Existenzen und den Wohlstand von heute. Denn „Schnapper“ und „Doppler“ sind nicht aus einem Casting entstanden", so Morkramer. Daran zu erinnern, sei ihm wichtig. Wie ein großes Puzzle sind die Körperteile zusammengeschweißt. Das Stahlgerippe ist sozusagen das Skelett und trägt die zerschnittenen und gebogenen Plattenteile.
Einstieg in die geschichtliche und künstlerische Ausgestaltung der Walzwerkstraße
Die Gelder sollten Stück für Stück eingespielt werden. So ist am 19. November eine 80er Jahre-Party im kulturWERKwissen vorgesehen. Außerdem wird die Ankunft der Skulpturen im ehemaligen Wissener Walzwerk im nächsten Jahr gefeiert und mit einer Besichtigung verbunden werden. Denn der Vorstand im Förderverein kulturWERK weiß: Nur was man sehen, anfassen und für gut befinden wird, bringt Menschen und Spender zusammen. Und dafür braucht man wie bei der Halle viele, die mithelfen.





